Menschen, Mentalität und Vorurteile
Der folgende Text soll nur meine unbeschreibliche Zuneigung zu einem Land mit charakteristischen Eigenheiten ausdruecken und sollte bitte keinesfalls zu ernst genommen werden.
Mittlerweile bin ich seit fast 4 Monaten im Land der beschränkten Möglichkeiten und habe schon so einige Charaktereigenschaften kennengelernt:
Nichts geht schnell:
Wörter wie schnell oder kurz habe ich mittlerweile aus meinem Wortschatz gestrichen.
Egal ob man einkaufen, eine Postkarte versenden oder auch einfach nur eine Frage stellen möchte zuerst muß das Rätsel der Herkunft geklärt werden.Dannach werden weitere wichtige Informationen wie, ob man verheiratet ist, der Name des Vaters und wie viele Kinder/ Geschwister man hat, abgefragt. Werden all diese Fragen zur vollen zufriedenheit beantwortet kann man, wenn man Glück hat, nun bereits sein eigentliches Anliegen vortragen, das dann bearbeitet wird...
Ich habe mir angewöhnt für ALLES eine Stunde einzuplanen.
Einzige Ausnahme:
Essen! Ein Inder geht in ein Restaurant, zwei Minuten später steht sein Essen auf dem Tisch und vier Minuten später wird einmal kräftig aufgestoßen, Händewaschen- fertig! Ausruhen oder gemütlich dasitzen kann man ja auch noch bei der Arbeit!
Der gemeine Inder liebt den Stress!
Eigentlich ist Indien ein gemächliches Land, die Menschen machen sich nicht viel aus Zeit und Terminen-aber sie lieben Hektik!
Hat man einen Termin mit einem Inder muß man in der Regel warten- wenn er dann mit einer guten Stunde verspätung auftaucht- dann muß alles fix gehen- ist ja schließlich ne Stunde zu spät dran.
Die Liebe zur Hektik erkennt man aber am besten auf den Strassen:
der Bus schert zum überholen aus- sieht ein entgegenkommendes Auto und drückt auf die Hupe! Lautere Hupe gewinnt, oder eben diie stärkeren Nerven, oft kommt der Verkehr in solchen Momenten völlig zum Stillstand wenn tatsächlich keine drei Busse auf einem schmallen Feldweg nebeneinander passen!
In jedem Bus fährt ein Ticketvekäufer mit der sich beim passieren der Haltestellen aus dem fahrenden Bus hängt und in einer sich überschlagenden endlos- Schleife das Ziel der Fahrt angibt. Findet sich auf diese Weise ein Passagier wird dieser am Ellenbogen gepackt und in den Bus gezogen- anhalten wäre reine Zeitverschwendung!
Wer an einer Kreuzung bremst is feige und wird gnadenlos ausgehupt!
Ein echter Inder fährt- natürlich laut hupend, aber ohne sich umzuschauen auf die Kreuzung! Muß man dann, um sich an dem abgebremsten Auto auf der Kreuzung vorbeizudrängeln, auf den Seitenstreifen ausweichen, auf dem die Fußgänger auf den Bus warten-kann man die auch nochmal fröhlich anhupen!
Inder lieben glitzernde, blinkende Sachen!
ich habe schnell verstanden das zu dem obligatorischen Ganesha in jedem Bus auch die blinkende Lichterkette gehört, doch sieht es doch für europaische Augen sehr gewöhnungsbedürftig aus wenn in einer katholischen Kirche das Grutzifix über dem Altar mit in allen Farben blinkenden Lichtern behangen ist.
...mein Freiwilligendienst in Indien

